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mipoohji:
Sind vielleicht alle etwas geschafft von den schwierigen Gedanken der letzten Tage, andere mögen sich bereits auf die Wahl am Sonntag vorbereiten, der eine oder andere wird sich mit anderen Dingen beschäftigen...
Den William lass einfach sagen was er will...
mipoohji:
Wäre von vornherein deutlich gewesen, dass Zweifel gar nicht Zweifel ist, sondern lediglich in Ermangelung eines geeigneten Begriffs für eine Sichtweise stehen soll, die "bewusstes leben jetzt" ermöglicht... dann hätten wir uns die Diskussion ja auch ersparen können.
So wie es gelaufen ist, finde ich gut, wenn jetzt klarer geworden ist, wofür der Begriff im Zen stehen soll und was er umgangssprachlich bedeutet.
Zweifellos ein Schritt...
mipoohji:
Ich sehe immer wieder, wie fremd mir diese Ausdrucksweise ist. Und ich frage mich dann auch, wozu ich die überhaupt lernen sollte, denn ich habe ja eine, mir der ich ansonsten bestens zurechtkomme.
Würde ich irgendwo den allgemeinen Vorteil sehen, aber ich weiss doch, dass sowohl ich als auch jeder andere ganz einfach die Verbindung zu sich selbst herstellen kann, wenn er nur will. Vielleicht muss der eine oder andere zunächst alles anzweifeln, woran er hängt und was ihn daran hindern könnte sich seinem Sein zuzuwenden. Und vielleicht hänge ich auch zu sehr an der Möglichkeit mich mit anderen auszutauschen und sollte lieber mal daran zweifeln um mich meinem Selbst zuzuwenden.
Nenn es also ruhig Zweifel auch wenn ich es lieber Vertrauen nennen würde. Wir sprechen verschiedene Sprachen oder haben zumindest verschiedene Vorlieben für Begriffe. Das was geschehen muss, damit ich die Antwort auf die Frage "wer bin ich" erlebe, wird davon nicht einmal berührt. Ja, ich stelle mir nicht einmal mehr diese Frage, ich erinnere mich aber dunkel daran, dass ich sie in grauer Vorzeit mal gestellt habe. Und dass ich den Zugang zu der Antwort danach gefunden habe und nicht davor...
Vielleicht gehe ich genaugenommen auch immer wieder durch denselben Prozess wenn ich mich an mein Selbst erinnere und mich dem zuwenden mag. Nur hat sich das wie beim Schwimmenlernen oder beim Autofahren etwas automatisiert und deshalb mache ich wohl beim Rechtsabbiegen Innenspiegel-Aussenspiegel-Schulterblick, ganz ohne dem noch Beachtung zu schenken, weil mich das was vor mir liegt viel mehr interessiert als die Technik des Fahrens, die ich ja heute gar nicht mehr erlernen möchte, sondern ausübe...
Nun, wenn die Katze schon aus dem Sack ist... dann lasse ich sie dort...
mipoohji:
Ich weiss zwar nicht, ob Mart es tatsächlich so meinte... gelesen habe ich, dass er sich lieber im Zweifel aufhalten soll (wobei das "grosse" wie auch vorher in der Diskussion einfach wegfiel...).
Dieses ständige Gehüpfe zwischen den Ebenen aber auch... kommt mir manchmal wie eine Zenkrankheit vor... zumindest wird es immer schwieriger Sinn und Unsinn zu unterscheiden...
mipoohji:
Nachdem ich eben las, was Du David schriebst, hätte ich erwartet, dass Du erst dann kein Problem mehr hast, wenn wir uns an derselben Tür treffen.
Der nächste wird nun vermuten, dass Zweifel Erleuchtung sei... so wie manche sagen, Zazen sei bereits Erleuchtung...
Begriffe sind für mich wichtig für eine Verständigung. Würde ich mir eine Pizza bestellen und ein halbes Hähnchen bekommen, weil da jemand das eben Pizza nennt, wäre ich erstmal sauer.
Beim nächsten Mal würde ich den jeweils erst fragen, wie er was nennt und dann eben in seiner Sprache bestellen...
Koan mir näherzubringen wird kaum gelingen. Da tut Ankor schon seinen Teil, dass ich mich schüttele, wenn ich nur das lese, was angeblich Koan sind.
Bisher hatte ich nicht die Idee, dass sowas darin vorkommt und hatte nur verstanden, was ich eben darüber wusste. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich mich ohne einen Lehrer mit sowas nicht beschäftige.
Bei Ankors Koan kriege ich fast den Eindruck, es geht darum, so sinnlos wie möglich zu reden. Da bin ich wie vor den Kopf geschlagen und kriege fast "den großen Zweifel"... ;)
Aber da ich ja fest daran glaube, dass nicht alle ausser mir leicht schwachsinnig sind, denke ich, der Knackpunkt liegt völlig woanders. Naja, ich war schon immer dagegen, Koan und deren Lösungen als Buchstabensuppe serviert zu bekommen...
Also keine Sorge. Ich hafte nur insoweit an Begriffen, wie ich es für gut halte um sich zu verständigen. Bin zwar manchmal entsetzt über reichlich unkonventionelle Formen von Verständigung (warum versucht jemand mir ein Gegenteil zu sagen um etwas auszudrücken?), aber solange das Gefühl einer Verständigungsbereitschaft und -fähigkeit bleibt, ist das alles halb so wild....
mipoohji:
Du machst es Dir zu einfach, es gibt nicht nur diese Alternativen.
Wenn ich sitze beschäftige ich mich auch nicht mit meinen Gedanken oder Konzepten, käme aber nicht im Traum auf die Idee, meinen Bewusstsein als Zustand von Unwissenheit zu bezeichnen.
Da ist kein Weltbild, schon gar nicht ein selbsterzeugtes, an das ich glauben möchte, nicht einmal Erleuchtungszeugs.
Ich staune immer wieder, wie leichtfertig Du plattmachst.
mipoohji:
Diese Zweifel beziehen sich doch lediglich auf das abstrakte/verbale Verstehen. Da gibt es aber doch auch was anderes, nämlich ein Wissen, das gar nicht dieser Ebene entstammt.
Im Widerstand gegen den Zweifelsbegriff geht es lediglich um die Form von Zweifel, die den Menschen sich ungut im Kreis drehen lässt um eine Annahme und den dazugehörenden Zweifel oder um eine falsche Vorstellung und den dazugehörenden Zweifel.
Man sollte diesen Begriff nicht unnötig hochloben, weil sonst der Eindruck einer Wichtigkeit entsteht die unangemessen ist.
Man mag sich in einer Tradition unausgesprochen oder auch deutlich formuliert auf einen solchen Begriff geeinigt haben. Umgangssprachlich ist das so sinnleer wie es nur sein kann.
mipoohji:
Warum Offenheit unbedingt als Unwissenheit (Nicht-Wissen) oder gar Zweifel etikettiert werden muss, das habe ich mich schon oft gefragt.
Warum wird nicht der direkte Weg gesucht, statt über Negationen ständig neu das Kind mit dem Bade auszuschütten?
Was ist denn so schrecklich daran, wenn ich im deutschsprachigen Raum eine Banane auch immer wieder Banane nenne? Ändert das meine Möglichkeit, jede Banane neu zu erleben?
Da ist von ausgetretenen Pfaden die Rede, wozu? Die dahintersteckende Vorstellung ist doch die, dass bereits gelerntes deswegen unwert sei, weil es noch mehr zu lernen gibt. Eine Fehleinschätzung und vor allem eine freche Lüge.
Lehrer zu empfehlen und den indischen Begiff für Lehrer abzulehnen ist etwa so dumm wie in einem fremden Land darauf zu bestehen, dass deutsch gesprochen wird oder dass Schweinshaxe serviert wird.
Als Beweis dient dann eine völlig aus dem Zusammenhang gerissene (mystifizierte) Begebenheit. Was, wenn derselbe Lehrer dem nächsten sagen wird, wer hier nichts versteht, sollte besser gar nicht erst herkommen?
Sundro hat nichts verstanden. Ist das nun ein Kompliment? Oder gibst Du mit Deinem Posting zu, Deinem Weg nicht zu folgen? Was erzählst Du Deinen Taiji-Schülern? Dinge die Du nicht weisst? Und warum tun die was Du sagst? Weil sie nicht verstehen, dass es nichts zu verstehen gibt?
Sprich doch mal deutsch. Nenn doch mal die Dinge so wie sie heissen. Benutz doch mal Deine Etiketten statt zu behaupten sie seien überflüssig während Du fleißig Deine eigenen aufklebst.
Du hast ja Wahres gesagt, nur wozu dekorierst Du es mit Unwahrheiten?
Niemand benötigt Zweifel. Jeder hat zwar schon zu viele davon, nur wird er ausgerechnet an zweifelhaften Dingen am wenigsten gern zweifeln.
Deshalb pauschal Zweifel als gut hinzustellen zeugt nur von Undifferenziertheit. Zweifel haben jeweils nur einen konkreten Sinn, eine konkrete Sache zu überprüfen. Nicht den, an einfach gar nichts mehr zu glauben.
Das was der große Zweifel genannt wird, ist nichts anderes als die Bereitschaft offen zu sein für neue Erfahrungen selbst wenn diese das gesamte Weltbild auf den Kopf stellen würden. Umgekehrt wird gar kein Schuh draus. Einfach das Weltbild auf den Kopf zu stellen führt nicht zwangsläufig dazu etwas neues zu lernen mit dem man dann leben kann. Da folgt erstmal eine Verwirrtheit, eine Orientierungslosigkeit.
Und das ist ja wohl nicht das, was Du anbieten möchtest. Ob dann eine Neuordnung geschieht, ist überhaupt nicht enthalten.
Zenmeister dürfen sich leisten, so vorzugehen. Sie sind anwesend und können aufpassen, was geschieht und dafür einstehen was sie auslösen.
Über Buchstabensuppe ist das nicht machbar. Da fehlt die Sicherheit der Gemeinschaft mit dem, den man durch eine Verwirrung schickt.
Ich finde es unverantwortlich ohne die Beziehung zu einem anderen Menschen auf Tragfähigkeit geprüft zu haben sie mit derart kuriosen Gedankenkonstruktionen zu beeinflussen.
mipoohji:
Ich sehe gerade einen kleinen Denkfehler in dem Absatz:
"Du bemerkst (beim Sitzen) Gedanken, folgst ihnen und erinnerst Dich irgendwann daran, was Du gerade eigentlich tun wolltest, nämlich "Sitzen" und dann lenkst Du Deine Aufmerksamkeit darauf."
Da ist was zuviel... denn sobald Du Dich erinnerst, dass Du ja eigentlich gerade Sitzen übst, dann ist Deine Aufmerksamkeit bereits dahin zurückgekehrt und Du musst sie gar nicht mehr darauf richten, sondern sie einfach nur da lassen...
mipoohji:
Warum solltest Du etwas damit machen sollen? Was willst Du denn damit machen? Gedanken sind zum Denken und genau das tust Du bereits... komm nicht noch auf die Idee darüber zu denken, dann wird es ja nur noch mehr...
Solltest Du "Sitzen" wollen, und so ausschliesslich/konzentriert wie möglich nur das, dann kümmere Dich so ausschliesslich/konzentriert wie möglich nur darum. Ist ja nicht wichtig, wie gut oder schlecht es funktioniert für Dich und gerade jetzt. Es ist immerhin das was Du tust und bist.
Du bemerkst (beim Sitzen) Gedanken, folgst ihnen und erinnerst Dich irgendwann daran, was Du gerade eigentlich tun wolltest, nämlich "Sitzen" und dann lenkst Du Deine Aufmerksamkeit darauf. Mehr musst Du eigentlich nicht tun... musst Dich weder drüber ärgern, noch irgendwas darüber denken, dass Du denkst...
Die Fragen, sollte ich jetzt eigentlich Gedanken haben oder sollte ich keine haben, wenn ja welche sollte ich haben oder welche sollte ich nicht haben, ist da vielleicht einer bei, der besonders wichtig ist, was sollte ich damit tun oder sollte ich vielleicht nichts damit tun... usw usw usw... die mögen alle auch mal auftauchen.
Darüber kannst Du ja dann irgendwann mal in Ruhe nachdenken, wenn Du Zeit dafür hast und wenn Dir das wichtig erscheint.
Beim "Sitzen" wäre das unnötig. Ansonsten würdest Du ja nicht mehr "Sitzen" üben, sondern beim Sitzen zu denken... was Du kaum willentlich verhindern wirst, es aber nicht auch noch üben musst.
Wenn Du denkst Du denkst, dann denkst Du nur Du denkst...
Kann es sein, dass Du denkst, Deine Gedanken könnten Dein Sitzen verbessern oder verschlechtern? Du sitzt mit dem Hintern und kannst schlecht den Kopf solange abschrauben. Lass ihn also denken wenn er mag und sitze... und wenn Du mal nicht denkst, dann denk nicht gleich, dass Du jetzt nicht denkst... (Scherz, selbst wenn das passiert ist es kein Beinbruch sondern lediglich ein Gedanke)
Oder halte es mit Dogen, der das Nichtdenken denkt... was auf dasselbe hinauskommen dürfte.
Gruß
mipooh
PS Ist Dir schonmal aufgefallen, dass Du den ganzen Tag denkst (völlig unkontrolliert) und Dich das nicht im geringsten stört?
mipoohji:
"er kann erst dann leer sein, wenn wir tot sind"
Bitte.. wer kann erst dann leer sein, wenn wir tot sind?
Ich habe ihn erlebt, den grenzenlosen Raum in mir selbst, von dem ich sagen könnte "er war leer", denn es waren nicht "die zehntausend Dinge" die dort in Erscheinung traten. Ich sage aber lieber "er ist die Fülle selbst", denn obwohl da nicht etwas war, das dies hätte tun können, hinterliess dieses Erleben doch tiefste Zufriedenheit.
Ich kann verstehen warum Menschen diese "Leere des Geistes" erleben möchten und zwar lebend...
mipoohji:
Ich habe Reiner diese Frage immer und immer wieder beantwortet. Er hat allerdings lieber immer so getan, als hätte es diese Antworten nicht gegeben und ist dann auf einer Begrifflichkeit aus der Zen-Tradition herumgeritten.
Ich mache nicht Zazen könnte uns zu der philosophischen Frage führen, was denn das sei, ich...
Ich kenne Zazen aus eigener Praxis, habe aber drei weitere Alternativen, die ich als für mich ebenbürtig erlebe und zwischen denen entscheide ich mich gelegentlich um. Für Orthodoxe der jeweiligen dahinterstehenden Gruppen ist das nahezu Blasphemie, für mich ist das Flexibilität.
Einfach Sitzen ist ebensogut wie einfach Atmen oder einfach die Techniken des Prem Rawat anwenden oder wie einfach in Trance gehen. Dazu muss man nicht sonnengeboren sein, das muss man sich erarbeiten.
Es ist mir relativ wurscht, ob Du mich nun irgendwie um etwas beneidest, von dem wohl nur Du vermutest, dass mir das in irgendeine Wiege gelegt worden sei. Was unangenehm ist, ist die daraus folgende Respektlosigkeit mit der Du mir begegnest. Mit meinen Gefühlen gehe ich lieber um als mit Deinen, denn auf meine habe ich Einfluß, bei Deinen kann ich Dir nichtmal wirklich helfen...
Es gibt keinen Grund mich zu beneiden. Ich hatte ausser einer wirklich schönen Kindheit (bis max 7) und einer kurzen Zeit materiellen Wohlstandes (von ca 1995-2001) eigentlich ein hartes Leben mit viel Leiden und Krankheit (die ich mir ausgerechnet auch noch in meinem Mitgefühlberuf geholt habe). Ich beklage das nicht, aber beneidenswert bin ich ganz sicher nicht.
Sonnengeboren bin ich auch nicht, aber ich habe der Sonne erlaubt in mir zu sein... einfach weil es dadurch (auch mir selbst) wärmer wird.
mipoohji:
Sicher verstehe ich Reiner, deshalb schnicke ich ihn doch fort...
Ich bin dabei der Wahrheit nah, aber nicht näher...
Denn mir liegt nicht an irgendwelchem klugscheißerischen Geschwätz sondern daran, dass Menschen eine faire Chance haben sich zu verstehen und zu erleben.
Meine Frau hat bereits als fünfjährige intensive Meditationserfahrung gemacht. Heute ist sie daran so gut wie gar nicht interessiert. Ich sehe darin keinen Nachteil übrigens, denn sie ist eine lebende Meditation...
Gruß
mipooh