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mipoohji:
Sehr nett, wie Du subtil Angst machst und vor Leuten warnst, die in die Irre führen.
Aber ist nicht genau dies, was niemand gebrauchen kann? Angst und Mißtrauen?
Wo sind die Fallen? Und warum falle ich nicht hinein ohne die "Hilfe" der Sanghas?
Es ist richtig, dass manche Menschen so viel Angst vor dem Leben haben, dass nur ein sehr enger Rahmen ihnen als Befreiung erscheint. Damit zu missionieren halte ich jedoch für falsch.
Etwas machen, was wie Zazen aussieht, aber irgendwie was ganz anderes ist... was soll das denn sein? Ausser ein Wink mit einer diffusen Sorge, irgendein Ziel nicht erreicht haben zu können. Und dies in einer Umgebung, die davon spricht dass es keines gäbe, weil bereits alles da ist...
Es gibt all diese Möglichkeiten, sie zu nutzen ist nicht falsch. Sie zum Dogma zu erheben ist dumm und anmaßend.
mipoohji:
Ich habe mich oft gefragt, welchen Sinn Sangha haben kann um zu verstehen, warum Sangha Bestandteil des Weges sein könnte oder sollte.
Mein Ergebnis ist das, dass Sangha einen Sinn hat, den heute wohl die meisten Sanghas nicht erfüllen können, nicht einmal ansatzweise.
Mit den Ritualen sprichst Du da einen Punkt an, der so ziemlich als erstes ins Auge springt. Ich habe noch keine Sangha erlebt, in der man nicht unbarmherzig wird, sobald jemand nicht im Gleichschritt mitmarschiert. Dies macht Sangha zu einem Marionettentheater und steht dem Erwachen eines Individuums völlig unnötig im Weg.
Dabei geht es nichtmal darum, dass auch Rituale auch hilfreich sein können. Was weitestgehend fehlt ist der Bezug zum Weg.
Als ich noch sehr jung war, hatte ich einen Traum. Der Meister ging an einer größeren Gruppe von Schülern vorbei, die sich tief verneigten. Währenddessen war ich, aufrecht stehend, zutiefst demütig. Seitdem war mir klar, wozu eine Verneigung dienen kann und mir ist meine Demut wertvoll, aber eine Verneigung benötige ich dazu nicht. Anderen wiederum ist eine Verneigung wertvoll, nur Demut kennen sie nicht...
Klischees sind nicht dem Weg gemäß. Sie übernehmen zu müssen ist genauso tödlich für die Seele wie sie völlig ablehnen zu müssen.
Was für die Rituale gilt, gilt ebenso für Vorstellungen. Ich persönlich finde zB die Idee der Mehrfachgeburten einer Seele so absurd, dass sie mir auf meinem Weg eine Blockade wäre. Sie dann im Nachhinein so lange zu relativieren bis der eigentliche Sinn dessen zutage tritt, was ursprünglich gemeint sein kann , rechtfertigt nicht die Notwendigkeit, sich mit solchem Unfug immer wieder auseinandersetzen zu müssen.
Das Christkindchen, bei dessen Anblick durch das Schlüsselloch des weihnachtlichen Bescherungszimmers man erblindet, kann nicht naiver sein als die Vorstellungen, die mit dem Begriff Wiedergeburt verbunden werden.
Nur mal zwei ganz verschiedene Aspekte beispielhaft herausgesucht, die mir Sangha unmöglich machen. Zumindest als Ort der Zuflucht.
Wer würde schon bei einem Vergewaltiger Zuflucht vor der Vergewaltigung nehmen?
Selbst die Lehrer sind von Unfug nicht verschont und dann muss es mir an einem Punkt egal sein, dass unsere Wege sich trennen. Ich trauere meinem heute noch gelegentlich nach. Denn etwas bleibt ja, und zwar die Dankbarkeit für das was er mir gegeben hat. Für das was er mir stehlen wollte kann es keine geben.
Von daher halte ich es für durchaus angebracht, sich das geben zu lassen, was ein Lehrer zu geben hat und dann seinen (eigenen) Weg zu gehen. Auch Sesshin halte ich für durchaus günstig.
Diese "Anlaufstellen" sind immer stark sektenlastig, verständlicherweise. So gibt es in jeder Vereinigung Stellen, an denen man "den Kundenstrom reguliert". Aber immer nur im eigenen Geschäft. Das hat mit der Engstirnigkeit der Sekten zu tun. Als Richtung gibt es da immer nur die der jeweiligen Sekte. Du wirst nicht erleben, dass man Dir rät, doch lieber einen Lehrer aus einer völlig verschiedenen Gruppierung aufzusuchen, weil man etwa erkennen könnte, dass dieser Dich weiterbringen kann. Ressortegoismus...
(Wenn dies doch einmal geschieht, dann nicht ohne den faden Beigeschmack einer verholenen Abwertung.)
Es bleibt Dir also nur der Weg Deines eigenen Herzens oder alternativ der Hürdenlauf in einer Gruppe.
Der Witz ist, Du musst ja nicht einmal sitzen... aber sobald es zum Zen (in der organisierten Form) kommt, wirst Du mit Gewalt auf ein Zafu gepresst, völlig egal ob dies zu Dir passt oder nicht. Angeblich natürlich nur, weil man denkt dass es nur so möglich sei.
Ich bin keineswegs gegen Zen und auch nicht gegen Zazen. Aber eine Zumutung ist jede Organisation. Ob sie durch die Hilfen, die es auch gibt aufgewogen wird... ich denke nein.
Nimm was sie Dir zu geben haben und beachte nicht, wenn sie Dir etwas nehmen wollen. Ob dies am Ende für Dich bedeutet, dass Du allein und unerkannt lebst oder innerhalb einer Organisation, das ist unerheblich, solange Du noch frei atmen kannst.
mipoohji:
Sozusagen ein philologischer Ausflug... bei dem Ikkyu mit gewetztem Katana aus Zitatesammlungen das Opferlamm grinsend erwartet um es dem Gott Soto zu opfern...
mipoohji:
Vielleicht ganz einfach deswegen, weil das mit dem "Körper und Geist fallen lassen" nicht geklappt haben könnte...
Ich kenn da so einige Soto-Brüder, bei denen das rein graue Theorie geblieben ist...
mipoohji:
[i]Muss ich den Mut aufbringen genau das zu sein was ich jetzt bin, auch wenn ich dabei das Risiko eingehe 99% der Anwesenden vor den Kopf zu stossen?[/i]
Um Du selbst zu sein, brauchst Du keinen Mut, das geschieht von ganz allein. Es gehört viel mehr Mut dazu sich zu verstellen. Nur wer braucht schon Mut?
Das Risiko 99% der Anwesenden vor den Kopf zu stoßen besteht unabhängig davon immer.
mipoohji:
[i]weil ein Zazen ohne Sanghaanbindung zumeist nach kurzer Dauer im Sande verläuft[/i]
Nun, mit Sangha ist der Verlauf oft das vielgepriesene Friede, Freude, Eierkuchen.
Von daher würde ich mal von einer Verallgemeinerung sprechen, ähnlich wie weiter oben bei den Blondinen...
mipoohji:
Ikkyu war hier weder Zeremonienmeister noch sonderlich lange Mitglied, wenn man mal von den vielen Namen absieht unter denen er bereits hier war. Die letzten waren Doen und Mi-so...
Wozu also jemanden begrüßen, der lediglich kurz das Hemd wechselt...
mipoohji:
Das ist eine Frage, die wohl niemand wirklich beantworten kann. Reichen? Für was?
Ich selbst habe Zeiten, in denen ich ganz ohne zu üben auskomme und Zeiten, in denen vier Stunden am Tag "gerade zum Überleben reichten". In Gemeinschaften hält man sich an die dort angegebenen Zeiten. "Privat" kann man das selbst entscheiden.
Ich würde dies aus dem Bauch heraus festlegen. Aber auf jeden Fall festlegen. Sonst denkt man nur wieder unnötig nach. Und am besten mit einem Hilfsmittel (Kurzzeitwecker, CD mit entsprechenden Minuten Stille und dann zB ein Gong), so dass man sich auch darum keine Sorge machen muss.
Das Bedürfnis nach mehr, und auch die Fähigkeit, dies durchzustehen, entwickelt sich mE ganz von allein.
Eine Weggefährtin erzählte mir, dass sie am Anfang kaum 5 Minuten sitzen konnte. (Zu der Zeit saß sie ganze Nächte durch)
Ich sag mal, wenn Du es ok findest, finde ich das auch.
Du solltest Dich aber nicht irritieren lassen und deswegen die Techniken abwechseln. Bleib bei einer. Also entweder zählen (finde ich nicht so doll) oder beobachten. Wenn sie erstmal "richtig funktioniert", kannst Du jede Technik anwenden. Denn mehr als eine Technik ist nunmal keine, selbst das Shikantaza nicht. (Nur wirst Du dann keinen Grund mehr finden, sie zu wechseln.)
Falls Du einen Lehrer hast, nimm die Technik, die er Dir genannt hat. Punkt.
Vielleicht hast Du ja auch eine Vorstellung davon, wie das aussehen müsste mit den Gedanken, die man beobachtend einfach ziehen lässt. Und weil es nicht genau so ist (wie in dieser Vorstellung), fühlst Du Dich "unruhig". Das ist gar nicht nötig.
Lass die Gedanken tun, was immer sie mögen und versuche nur, immer wieder auf das zurückzukommen, wofür Du Dich für diesen Zeitraum des Sitzens entschlossen hattest. Mehr kannst und musst Du nicht tun.
Meditation geschieht irgendwann von selbst, was Du tun kannst, ist eine Konzentration zu erreichen, die dann ausreicht, Meditation zuzulassen. Und dazu braucht es Übung. Ich erinnere mich nur dunkel, aber ich glaube, ich habe etwa vier Jahre gebraucht, bis ich dann wirklich verstanden habe, dass ich wirklich nichts anderes tun muss als mich immer wieder (wenn ich bemerke, dass ich es nicht mehr tue) auf das Beachten des Atems zurückzukommen.
Leg Dich aber jetzt bitte nicht auf vier Jahre fest... es kann schneller sein oder langsamer, das ist völlig individuell.
Vergiß nicht, dass oft Dinge beschrieben werden, die jemand erst nach langem Üben erreicht hatte.
Es funktioniert. Du kannst Dich darauf verlassen. Zigtausend Menschen haben das getan und es gibt, so denke ich, niemanden, der das nicht auch tun könnte. Es ist zu einfach.
Und lass Dir nichts vormachen. Viele Menschen sind geneigt, Dir Dinge zu erzählen, die nicht so ganz ihre Realität wiederspiegeln. Über die endlosen Abschweifungen redet niemand so gern, weil es diesen Erleuchtungs-Leistungsdruck gibt... ;)
Glaub mir, die meisten Menschen sitzen vorwiegend nur äusserlich und sind oft weit entfernt von so etwas wie "die Gedanken einfach wie Wolken ziehen lassen".
Mach einfach weiter, das wird schon...
Wenn erst Gedanken kommen, die nun aber wirklich keinerlei Bezug mehr zu Deiner Realität haben, dann wird es witzig und es wird Dir bald leichter fallen.
Mein Lehrer beschrieb das mal so: Did you feed the cat? What cat? I don´t have a cat. Oh, you should have one, cats are so cute... so what about your cat now?
mipoohji:
Upps, dachte ich mir doch gerade, dass wir in diesem Thread sind... also das Atmen durch die Füße hier für die Füße ist...
Ich mache Zazen zum Abschalten. Oder Einschalten, wie man´s nimmt. In Phasen des regelmäßigen Sitzens ist es für mich auch ein Training der Konzentrationsfähigkeit auf nichts.
Warum Zazen und nicht eine andere Methode? Zazen erscheint mir recht neutral, abgesehen von Atmen durch die Füße und Creme, die vom Kopf herunterfliesst... aber dies finde ich beides auch nicht unbedingt typisch.
mipoohji:
Zu Japanern kann ich Dir nichts sagen, die sind weiter östlich.
Aber wenn Du mit den Thai vorlieb nehmen könntest.
Rücksicht kennen Thai nicht. Da kann um 3 oder 4 in der Frühe eine 2000 Watt-Anlage mit Sterbegesängen auftauchen, oder um halb 5, wenn die Mönche mal gerade Lust haben eine CD aufzulegen... selber singen ist ja altmodisch..., nachdem um halb 3 das letzte Karaoke-Gewimmer verklungen war.
Ist nicht jede Nacht so...
Und um 5 Uhr morgens faselt ein Oberdorfmöchtegern zwanzig Minuten lang in ein Mikrofon, obwohl dem nie einer zuhört.
Acht Uhr morgens tönt von der Schule die Nationalhymne, schief und krumm.
Und immer alles mit viel Watt, so dass ich 500m vom Dorf noch genügend teilhaben kann.
Da lobe ich mir wenn in der Regenzeit nachts die Frösche quaken...
mipoohji:
Du musst bedenken, dass ein vom Fränkli-Zählen gelangweiltes älteres schweizer Ehepaar neben dem Zen auch noch Zeit für weitere Merkwürdigkeiten findet.
Und sind so Wunderheiler nicht herrlich exotisch?
Mal ganz davon abgesehen, dass man doch sämtliche Oberprofessoren des Erdkreises mit sich beschäftigt weiss?
Mit dieser Amma hast Du aber wirklich einen guten Tip gegeben. Ich wüsste dann noch ein paar Wahrsager, allerdings sind die wenig exclusiv...
vielleicht nicht ganz das Richtige für das Altenkränzchen. Es sei denn, man könnte so einen damit international aufbauen und wäre quasi der Entdecker...
Jeder glaubt halt was er glaubt. Und "nach Eurem Glauben geschieht Euch" ist ja nun nichts ganz neues mehr. So wirklich alles zu glauben ist doch auch wieder irgendwie zennig. Zu weit? Niemals.
mipoohji:
Ahja, war mir bereits bekannt. Die Methode, vielleicht nicht die Textstelle. Man liest ja heute per Internet mehr als jemals zu Bücherzeiten.
Heute würde ich sowas Selbsthypnose nennen, was die Sache selbst weder besser noch schlechter macht.
Ich selbst bevorzuge gegenstandsfreie Techniken gegenüber Visualisierungen. Aber gelegentlich greife auch ich gern mal auf letztere Zurück. Wie´s halt so kommt...
Das "plötzliche heisse Begehren" war reine Neugierde, was denn unseren Allis ohne so exklusiv beeindruckt hat...
Ich verfolge immer gern mal eine Honigspur um zu sehen ob sie zum Topf führt.
Aber ist nicht genau dies, was niemand gebrauchen kann? Angst und Mißtrauen?
Wo sind die Fallen? Und warum falle ich nicht hinein ohne die "Hilfe" der Sanghas?
Es ist richtig, dass manche Menschen so viel Angst vor dem Leben haben, dass nur ein sehr enger Rahmen ihnen als Befreiung erscheint. Damit zu missionieren halte ich jedoch für falsch.
Etwas machen, was wie Zazen aussieht, aber irgendwie was ganz anderes ist... was soll das denn sein? Ausser ein Wink mit einer diffusen Sorge, irgendein Ziel nicht erreicht haben zu können. Und dies in einer Umgebung, die davon spricht dass es keines gäbe, weil bereits alles da ist...
Es gibt all diese Möglichkeiten, sie zu nutzen ist nicht falsch. Sie zum Dogma zu erheben ist dumm und anmaßend.
mipooh